Farbtöne

In der Hauptsache werden in der Industriebeschichtung RAL-Farben der Farbsammlungen RAL 840-HR und RAL 841 GL verwendet. RAL-Farben sind industrielle Standardfarbtöne und daher auch kurzfristig und kostengünstig zu erhalten.

Zu den "klassischen" RAL- Farben gibt es noch weitere Farbsysteme die zur Farbdefinition eingesetzt werden können:
RAL Design (System für Zwischenfarbtöne) RAL F 12 (Pastellfarben), RAL F 9 (Tarnfarben), NCS (Natural Color System), Munsell (Amerikanisches Farbsystem), British Standard (Englisches Farbsystem), Sikkens (Bautenlacke und Farben), HKS (Druckfarben), Pantone (Farbpalette für Stoffe), DB-Farben.

Diese Farben sind normalerweise nicht ab Lager erhältlich und werden nur auf Kundenwunsch produziert.

Neben diesen Farben gibt es noch eine Reihe von Sonderfarben wie zum Beispiel Metallic-Farben, Glimmerfarben, Sanitärfarbtöne, lasierende Farben usw. Viele Farben sind in verschiedenen Glanzgraden und in verschiedenen Oberflächenstrukturen erhältlich.

Metallicfarben sowie DB-Farben
(Sonderfälle RAL 9006 + 9007)

Diese Farben können zwar in der RAL-Farbkarte enthalten sein, es ist möglich, dass trotzdem keine Übereinstimmung stattfindet. Jeder Farbhersteller bietet von den genannten Farben verschiedene Typen an, was zu Farbunterschieden führt. Hier ist es sinnvoll Musterbleche zu fertigen und den Hersteller und die Artikelnummer der gewünschten Farbe genau festzulegen.

Besonders wichtig ist dies, wenn eine Bauteilserie von zwei Beschichtern lackiert wird. Wenn möglich sollte die verwendete Farbe aus einer Charge sein und dasselbe Objekt möglichst nur von demselben Beschichter ausgeführt werden. Nur so ist eine optimale Übereinstimmung gewährleistet.

Bei den oben genannten Farben mit Metallicanteilen kann es vorkommen, dass auf größeren Flächen nicht immer ein 100% gleichmäßiger Farbtoneffekt erzielt wird. Diese Farbtondifferenzen bzw. Schattierungen treten besonders auf, wenn ein Werkstück aus unterschiedlichen Teilegeometrien zusammengesetzt ist. Kombinationen von Flüssiglacken und Pulverlacken am gleichen Objekt müssen, wenn überhaupt technisch realisierbar, aufeinander abgestimmt sein. Metallicbeschichtete Oberflächen werden deshalb als sogenannte lebende Flächen bezeichnet.

QIB - Beanspruchungsgruppen

Um die Anforderungen an die Beschichtung definieren zu können, hat die QIB vier Oberflächen  Beanspruchgruppen festgelegt. Die Anforderungen an die Beschichtung können so an den Einsatzzweck des fertigen Produktes angepasst werden.

QIB Beanspruchungsgruppe II
Die Teile verfügen über eine Konversionsschicht, die es erlaubt, sie längere Zeit unter leichten korrosiven und feuchtebelastenden Beanspruchungen zu belassen.

QIB Beanspruchungsgruppe III
Die Teile werden vereinzelt bzw. kurzfristig Temperatur- oder Feuchtebeanspruchungen ausgesetzt. Meist aber befinden sich derartig vorbehandelte Teile im Innenbereich.

QIB Beanspruchungsgruppe IV
Aufgrund der hohen Anforderungen an die aufgebrachten Konversionsschichten ist es möglich, derartige Teile sowohl den üblichen Korrosionsbeanspruchungen als auch den
Feuchtebeanspruchungen über die gesamte Nutzungsdauer hinweg auszusetzen.

QIB Beanspruchungsgruppe V

Die Teile werden aufgrund der sehr hohen Anforderungen für industrielle und Küsten- sowie Offshore-Bereiche mit einer Schutzdauer von mehr als 15 Jahren mit meist mehrschichtigen
Beschichtungssystemen versehen.

Wird keine Beanspruchungsgruppe auf dem Auftrag angegeben, so kann der Beschichter zwischen der QIB - Beanspruchungsgruppe I und II wählen.

QIB - Beanspruchungsgruppen

Da in der Industriebeschichtung oftmals keine Reinraumbedingungen herrschen und die Luft Verunreinigungen enthält, ist es nur mit erhöhtem Aufwand möglich, höheren Anforderungen an das Oberflächenaussehen gerecht zu werden. Die QIB hat deshalb vier verschiedenen Oberflächenstandards definiert. Wird in der Anfrage oder Bestellung keine Oberflächenanforderung angegeben, so hat der Beschichtungsbetrieb die Auswahl zwischen

****QIB-Optik 4
Flächen mit sehr hohen Anforderungen (z.B. Möbelteile, Frontplatten für Elektrogeräte) Betrachtungsabstand zur Bewertung der Teile mind. 0,3 m bei diffuser Beleuchtung (kein gerichtetes Licht)

***QIB-Optik 3
Flächen mit hohen Anforderungen (z.B. Beschlagteile für die Möbelindustrie), Betrachtungsabstand zur Bewertung der Teile mind. 0,8 m bei diffuser Beleuchtung

**QIB-Optik 2
Flächen mit üblicher Anforderung (z.B. Gehäuseteile für Schaltschränke usw.) Betrachtungsabstand mind. 1,5 m bei diffuser Beleuchtung

**QIB-Optik 1
Flächen mit geringer Anforderung (z.B. Stahlbauteile – nicht sichtbar ohne Anspruch auf das optische Aussehen bzw. Zaunpfähle, Lagergestelle usw.) Betrachtungsabstand mind. 3m bei diffuser Beleuchtung.

Beurteilungskriterien, Merkmale und Niveau

1 Kratzer, Blasen **** Ø < 0,5 mm, 5 Stk./qm bzw. lfd. Meter bei Profilien
und Einschlüsse *** Ø < 0,5 mm, 15 Stk./qm bzw. lfd. Meter bei Profilen
** Ø < 0,5 mm, 30 Stk./qm bzw. lfd. Meter bei Profilen
* ohne Anforderungen
2 Farbabläufer und **** keine zugelassen
Anhäufungen *** zugelassen, wenn nicht auffällig wirkend
** partiell dreifache Schichtdicke erlaubt
* ohne Anforderungen
3 Orangenhaut **** fein strukturiert zugelassen!
(gilt nicht für Strukturlacke) *** grob strukturiert auch zulässig, wenn Schichtdicke >120 µm aus konstuktiven oder auftragsbedingten Vorgaben
** ohne Anforderungen
* ohne Anforderungen
4 Glanzunterschiede **** zugelassen, wenn sie innerhalb der nachstehenden Toleranzen liegen
*** zugelassen, wenn sie innerhalb der nachstehenden Toleranzen liegen
** ohne Anforderungen
* ohne Anforderungen
5 Farbabweichungen **** zugelassen, wenn nicht auffällig wirkend (Betrachtungsabstände gem. der Erläuterungen beachten)
*** zugelassen, wenn nicht auffällig wirkend (Betrachtungsabstände gem. der Erläuterungen beachten)
** zugelassen, wenn nicht auffällig wirkend (Betrachtungsabstände gem. der Erläuterungen beachten)
* ohne Anforderungen
DIN 6175 Tabelle mit der dort aufgeführten Toleranzgrenze von maximal 1,5-fachen Werten der zugelassenen Farbabweichung. Der Zahlenwert des Metamerie-Indexes (nach DIN 6172) von Nachlieferungen gegenüber bereits bestehenden Beschichtungsaufträgen sollten bei Testlichtart A den Zahlenwert des Farbabstandes ?Eab nicht überschreiten. Bei verschiedenen Lieferchargen eines Auftrags sollten die ggfs. auftretenden Farbnuancen nicht mehr als den 2-fachen Wert der in DIN 6175 Tabelle 1 festgelegten Toleranzen nicht überschreiten. Werden Bauteile mehrerer Lackchargen miteinander zusammengefügt, darf die bereits erwähnte 2-fache Toleranz beim Vorhandensein von Stößen, Sicken, Gehrungen, Zierleisten, Hohlräumen o.ä. verdoppelt werden.
6 Schleifriefen, Dellen, Schweißnähte **** werden in der Regel ab einer max. Rauigkeit von Rmax <9 µm (entspricht Schleifpapier der Körnung 180 mit Excenter-Schwingschleifer) abgedeckt und sind nicht beeinflussbar (ist nicht in Arbeitsumfang des Beschichters enthalten)
*** zugelassen, kann vom Beschichter nicht beeinflusst werden
** zugelassen, kann vom Beschichter nicht beeinflusst werden
* zugelassen, kann vom Beschichter nicht beeinflusst werden
7 Halbzeugbedingte Unebenheiten **** nicht zugelassen, kann vom Beschichter nicht beeinflusst werden
(Dellen), Ziehstreifen, Längschweißnähte, *** zugelassen, kann vom Beschichter nicht beeinflusst werden
Abdrücke, Strukturen, Fertigungsbedingte ** zugelassen, kann vom Beschichter nicht beeinflusst werden
mech. Beschädigungen (z.B. Dellen, Beulen, Kratzer) * zugelassen, kann vom Beschichter nicht beeinflusst werden